Grosspraktikum II Limnologie

Samstag, 03 März 2007 19:38

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Praktikumsskript mit Rasterelektonenmokroskop(REM)-Fotos über Kieselalgen (Diatomeen).

INHALT

1. Chronologie des Praktikums,

2. Bacillariophyceae, Diatomeen, Bacillariophyta, Diatomeae, (engl.: diatoms),

3. Physikalische Grundlagen und praktische Einführung in die Rasterelektronenmikroskopie,

 

4. Herstellung von Diatomeenpräparaten für die Licht- und die Elektronenmikroskopie,

5. Kieselalgen als Indikatororganismen zur Bestimmung der Gewässerverschmutzung,

6. Einführung in die Bestimmung von Diatomeen,

7. Einführung in die Fotolabortechnik, Entwicklung der Schwarzweißfilme, Anfertigen von Papierabzügen und

8. Zusammenfassung  (Schluss, Ausblick, Diskussion) und 9. Literaturliste

Limnologie Großpraktikum II

Achnanthes minutissima var. minutissima Kleine Aufsitzer-Kieselalge

 

Joern Kimpel                                                                                           Germering, den 23.12.1997

Großpraktikum II für Biologen an der

Limnologischen Station der Technischen Universität München

20.Februar bis 13.März 1997

 

Diatomeen als Trophie-Indikatoren

 

Protokoll über die Mikroskopie bentischer Diatomeen

im Rahmen des Großpraktikums II der Limnologie

  

Untersuchung von bentischen Diatomeen im Licht- und Rasterelektronenmikroskop

Diatomeen als Indikatororganismen zur Bestimmung der Gewässerqualität

Einführung in die Photografie

 

Inhalt

 

1. Chronologie des Praktikums

 

2. Bacillariophyceae, Diatomeen, Bacillariophyta, Diatomeae, (engl.: diatoms)

2.1. Allgemeine Beschreibung zur Untersuchung von Kieselalgen

2.2. Lebensweise

2.3. Bau

2.4. Fortbewegung

2.5. Stoffwechsel

2.6. Vorkommen

2.7. Fortpflanzung

2.8. Ordnungen der Kieselalgen

 

3. Physikalische Grundlagen und praktische Einführung in die Rasterelektronenmikroskopie

3.1. Mikroskopie

3.2. Vergleich von Licht- und Rasterelektronenmikroskop

3.2.1. Lichtmikroskopie und Phasenkontrastmikroskopie

3.2.2. Rasterelektronenmikroskopie (REM)

 

4. Herstellung von Diatomeenpräparaten für die Licht- und die Elektronenmikroskopie

4.1. Probeentnahme

4.2. Aufbereitung der Probe

4.3. Präparatherstellung für das Lichtmikroskop

4.4. Präparatherstellung für das Rasterelektronenmikroskop

4.4.1. Verdünnung

4.4.2. Vorbereiten der Probenteller

4.4.3. Bedampfung mit Gold

 

5. Kieselalgen als Indikatororganismen zur Bestimmung der Gewässerverschmutzung

5.1. Qualitative und quantitative Auswertung eines Diatommeenpräparats aus dem Spitzingsee

5.2. Auswertung

5.2.1. Bestimmung der Gewässertrophie anhand des Diatomeenindex

5.2.2. Diversitäts-Index (nach SHANNON & WEAVER)

5.2.3. Evenness (nach LOZAN 1992)

5.3. Ergebnis

5.4. Diskussion

5.5. Erklärung der Indeces und Abkürzungen

 

6. Einführung in die Bestimmung von Diatomeen

6.1. Bestimmungsmerkmale

6.2. Beschreibung der im Lichtmikroskop gefundenen Taxa

6.3. Studium der Feinstruktur von Diatomeenschalen am Rasterelektronenmikroskop

6.4. Bestimmungsmerkmale verdeutlicht an REM-Detailaufnahmen

 

7. Einführung in die Fotolabortechnik, Entwicklung der Schwarzweißfilme, Anfertigen von Papierabzügen

7.1. Einführung in die Photographie und Fotolabortechnik

7.1.1. Definition von Photografie, Lichtbildnerei, Lichtbildkunst, [grch.]

7.1.2. Geschichte

7.2. Schwarzweiße Filmentwicklung

7.2.1. Methodik

a) Belichtung des Filmmaterials

b) Entwicklung(1) und Fixierung(2)

c) Positivprozess

7.2.2. Entwicklung (b) der Schwarzweißfilme

7.2.3. Positivprozess, Belichtung (c) der Fotopapiere

 

8. Zusammenfassung  (Schluss, Ausblick, Diskussion)

 

9. Literaturliste

 

Achnanthes minutissima var. gracillima

 

Diatomeen als Trophie-Indikatoren Inhalt

 

Protokoll über die Mikroskopie bentischer Diatomeen

im Rahmen des Großpraktikums II der Limnologie 

 

1. Chronologie des Praktikums

 

Der Beginn des dreiwöchigen Großpraktikums in Limnologie an der Station in Iffeldorf am 20. Februar

1997 war ein Kurzreferat des Praktikumbetreuers Jan Seele über ein neu erschienenes Buch (Periphyton

Patterns in Lakes von Rex L. Lowe, Algal Ecology, 1996). Der Vortrag fand im Rahmen des wöchentlichen

Seminars am Donnerstag statt, in dem der Referent Ergebnisse seiner Arbeit oder eine neue

Veröffentlichung vorstellt. Es ging um die Bedeutung des Periphytons in Standgewässern, wie die

Sedimentsubstrate gestaltet sind und von welchen Parametern sie beeinflusst werden. Das Ergebnis war,

dass das lentische System wenig erforscht ist und stark von einem Tiefegradient beeinflusst wird. Nach

einem kurzen Gespräch über den Ablauf des Praktikums und über Kieselalgen, wurde der Vortrag von

Christian Lederle über Teichkläranlagen angehört und kritisiert. Am Nachmittag sprach Dr. Joachim

Hürlimann über Diatomeen in der Kriminalistik und Rechtsmedizin. Ergebnis des Vortrags war, dass

man Kieselalgen schon seit 1771 in der Rechtsmedizin verwendet, um Aufschluss über Ertrunkene oder

vorher ermordete Menschen zu bekommen. Die Diatomeen sammeln sich je nach Art des Ertrinkens in

den Fettgeweben (Leber, Niere, Knochenmark, Duodenum) an und  können in den Organen auch als

Fragmente ausgezählt und bestimmt werden. Am Ende des Vortrags wurde festgestellt, dass die

meisten Forschungen in dieser Richtung in den 30er Jahren in Deutschland gemacht wurden. Diatomeen

kommen auch auf der Haut und an anderen Extremstandorten vor, sie benötigen lediglich Wasser und

Licht. Am Abend dieses informativen ersten Praktikumtages wurde das allgemeine Kapitel über

Diatomeen (von A. Pascher, Süßwasserflora von Mitteleuropa, Fischer Verlag) als Lektüre gereicht,

damit am nächsten Tag schon Vorkenntnisse für die Einführung am Mikroskop vorhanden sind (vgl.

Teil 6. Diatomeenbestimmung). Die nächsten Praktikumstage wurden zur Artbestimmung am

Lichtmikroskop, zur Arbeit am Rasterelektronenmikroskop und im Fotolabor verwendet. Am Donnerstag

dem 13. März wurde im Rahmen des Seminars ein Kurzreferat über die Praktikumsergebnisse gehalten.

Genaueres entnehme man Tabelle 1 über die Chronologie des Praktikums.

 

Tabelle 1: Chronologie des Praktikums

 

Wochentag

Datum

Vormittag

Nachmittag

Donnerstag

20.02.1997

9 Uhr Seminar (Jan Seele),

Einführung (Allgemeines, Diatomeen, Lichtmikroskop) ab

11Uhr Seminar (Christian Lederle)

ab 14:30 Uhr Seminar (Dr. Joachim Hürlimann über Diatomeen in der Kriminalistik und Rechtsmedizin)

Freitag

21.02.1997

Einarbeitung in die Bestimmungsliteratur

und Gebrauch des Lichtmikroskops, Köhlern

Umgang mit Karteikasten zum Bestimmen

Samstag

22.02.1997

 

Sonntag

23.02.1997

 

Montag

24.02.1997

Artenbestimmung

Artenbestimmung

Dienstag

25.02.1997

Artenbestimmung

Artenbestimmung

Mittwoch

26.02.1997

Artenbestimmung

Artenbestimmung

Donnerstag

27.02.1997

Artenbestimmung

Artenbestimmung

Freitag

28.02.1997

Einführung in die Trophiebestimmung des Spitzingsees mit Hilfe des Trophie-Indexes von Diatomeen

Einführung in die    Rasterelekronenmikroskopie

Samstag

01.03.1997

 

Sonntag

02.03.1997

 

Montag

03.03.1997

Anfertigen der Tropfpräparate

Artdokumentation am REM durch Fotos

Dienstag

04.03.1997

Artdokumentation am REM durch Fotos

Artdokumentation am REM durch Fotos

Mittwoch

05.03.1997

Artdokumentation am REM durch Fotos

Artdokumentation am REM durch Fotos

Donnerstag

06.03.1997

9Uhr Seminar, Artdokumentation am REM durch Fotos

Artdokumentation am REM durch Fotos

Freitag

07.03.1997

Einführung in das Fotolabor

Samstag

08.03.1997

Seminar: Geschichte der Limnologie

Geschichte der Limnologie

Sonntag

09.03.1997

 

Montag

10.03.1997

Anfertigen von Papierabzügen

Anfertigen von Papierabzügen

Dienstag

11.03.1997

Anfertigen von Papierabzügen

Anfertigen von Papierabzügen

Mittwoch

12.03.1997

Anfertigen von Papierabzügen

Anfertigen von Papierabzügen

Donnerstag

13.03.1997

Aufräumen und Abschlussbesprechung

 

 

 

 

Cymbella hevetiva bauchige Kahnkieselalge

 

2. Bacillariophyceae, Diatomeen, Bacillariophyta, Diatomeae, (engl.: diatoms) Inhalt

 

2.1. Allgemeine Beschreibung zur Untersuchung von Kieselalgen

 

Formenreichste Gruppe einzelliger, auch kolonie- und kettenbildender Algen mit ca. 10000 bekannten

Arten im Stamm der Chrysophyta. Diatomeen spielen ökologisch eine große Rolle, weil sie am Anfang

der Nahrungskette, besonders im Meer, stehen. Manche Arten sind wichtige Bioindikatoren für die

Wasserqualität. Die Süßwasserflora ist weltweit verbreitet, wobei es wenige Endemiten gibt. Diese halten

sich an Meeresküsten, in Salinen und speziell am Neusiedler See auf, weil sie dort auf neue ökologische

Bedingungen treffen. Die oft massenhaft auftretenden Kieselalgen leben auf Steinen, Sand , Boden

sowie in Süß-, Brack - oder Salzwasser und können durch den Wind weiträumig verbreitet werden.

Die Familie der Naviculaceen stellt die umfangreichste Unterordnung dar. Man gliedert die Kieselalgen

in zwei Unterordnungen ein, die rundlichen Centrales und die Pennales mit länglichen Schalen. Da die

morphologischen Merkmale, also die Architektur der Schalen alleine für die Systematik verwendet wird,

gibt es wegen den identischen Formen und Übergangsformen Streit. Ihre Taxonomie dient daher als

objektives Verständigungsmittel, und muss mit dem verbundenen Arbeitsaufwand für eine zuverlässige

Bestimmung im Einklang stehen. Man hat herausgefunden, dass Temperatur, pH-Wert, Salinität sowie

Phosphat- und Silikatgehalt des Mediums für die Form der Schalen eine Rolle spielen.

Man erkennt im Zentrum der Schale die Raphe (=Naht), eine gebogene Längslinie, die nach beiden

Seiten läuft. Mit diesen rinnenförmigen oder kanalförmigen Strukturelementen, bewegen sich die Zellen,

z.B. gleitend auf festem Untergrund, fort.

Alle Ordnungen haben folgende Eigenschaften gemeinsam:

 

2.2. Lebensweise

 

sie leben pelagisch (frei), sessil (Substratkontakt durch Gallertefäden) oder koloniebildend (Gallertefäden,

Filamente).

 

2.3. Bau

 

-sie haben eine Größe von 2,5 Mikrometer bis 2 Millimeter.

 

-ihre morphologische Gliederung ist bei allen Kieselalgen ähnlich. Man bezeichnet die fast identischen

Schalenhälften (Valven) als obere und untere Valvarebene (zu sehen in der Valvenansicht), die durch die

Pervalvarebene oder dem Gürtelband miteinander in Verbindung stehen (Pleural- oder Gürtelansicht).

In der Schale erkennt man die zentrale Raphe. Die Spitzen werden Apix genannt (Genaueres vgl. 6.

Bestimmung von Diatomeen).

 

-dicht unter der Zelloberfläche befindet sich die Kieselschale (Frustel). Sie ist auf mannigfache Weise

ornamentiert und von Poren durchbrochen, die die Verbindung zwischen Zellinhalt und Umgebung

herstellen. Die Frustel ist wie eine Schachtel aufgebaut, aus einer Unterschale (Hypotheka) und einer

geringfügig größeren Oberschale (Epitheka). Hauptsubstanz ist die Kieselsäure Si(OH)4

(Orthokieselsäure), die unter Wasserabspaltung in Metakieselsäure H2SiO3 (ketten-, bandförmige oder

dreidimensionale Gebilde) und dann in das Anhydrit SiO2 Siliziumdioxid übergeht. Dieses wird in

SCVs (silica depositing vesicles) unterhalb der künftigen Zelloberfläche im Cytoplasma deponiert und

bildet komplex gebaute Strukturen aus. Diese Poren, Rillen, Stege, Wülste und Auswüchse sind

artspezifisch angeordnet. Die Form des Siliziumoxids ist amorph und ähnelt dem Opal, was der Struktur

hohe Festigkeit gibt.

·     

-sie besitzen in ihrer Zellwand Diatotepin, ein saures Polysaccharid.

 

-der Zellkern liegt zentral, die Chloroplasten sind wandständig (1-2 bei Kieselalgen mit Raphen, ansonsten

mehrere scheibenförmige).

 

2.4. Fortbewegung

 

-aus der Raphe wird bei der Bewegung eine Gallerte ausgeschieden, die in der Gallerte entlang gleitet.

Der Prozess ist noch ungeklärt.

·     

-als Auftriebsorgane dienen ölgefüllte Vakuolen oder Schwebefortsätze.

    

2.5. Stoffwechsel

 

-zur Photosynthese in den braunen Chloroplasten haben sie Chlorophyll a und c sowie Carotinoide

(β-Carotin) und Xanthophylle (Fucoxanthin, Violaxanthin). Die Kieselsäure ist nicht nur Baumaterial,

sondern auch für den Stoffwechsel wichtig.

·     

-Reservestoffe sind Fette und Chrysolaminarin (=Leukosin), bzw. Laminaran und Mannitol.

 

2.6. Vorkommen

 

-ihr Lebensraum ist vielfältig (marin, limnisch, epiphytisch, epilithisch, epipelisch, epiplanktisch, etc.,

Kieselschalen bedecken etwa 8 % des Meeresbodens, kommen in der in der Antarktis und der Sahara

vor). Er wird hauptsächlich von Feuchtigkeit und Licht bestimmt.

·     

-Die Verbreitung wird hauptsächlich von der Atmosphäre (Wind) und dem Menschen (Verkehr) bestimmt.

 

-die Schalenreste sind fossil (40 000 - 100 000 Arten) und subfossil als Kieselgur und Diatomit

(Diatomeenerde) aus dem Mesozoikum seit Beginn der Kreidezeit (ca. 250 Millionen Jahre) erhalten

und werden im Straßenbau, als Scheuermittel oder als Silicagel mit hohen Adsorptionsvermögen

(HPLC, LC, Chromatografie) in der Forschung verwendet.

 

  

Gomphonema acuminatum Spitze Stielchen-Kieselalge

 

 

2.7. Fortpflanzung

·     

-sie ist mitotisch oder sexuell. Bei der Mitose, wird eine Zygote zur Auxospore und teilt sich durch

Oogamie in zwei Auxosporen. Die Teilung erfolgt meist entlang der Raphe. Dabei scheidet jede

Schalenhälfte eine kleinere ab, die in die alte hineinpasst. Die neue Theka ist also stets eine (kleinere)

Hypotheka. Weitere Zellteilungen ergeben immer kleinere Tochterzellen, bis eine Minimalgröße

(30 - 50 % kleiner) erreicht wird. Die sexuelle Fortpflanzung (Meiose) ermöglicht die Rückkehr zur

Originalgröße. Um der Verzwergung zu entgehen, kann eine Teilung übersprungen werden oder das

Gürtelband flexibel bleiben.

 

-begeißelt sind nur männliche Zellen der Unterordnung Centrales, welche zur sexuellen Fortpflanzung

Ei- und Spermazellen bilden. Bei den Pennales unterscheiden sich normale Zellen nicht von denen,

die eine Reduktionsteilung gemacht haben. Innerhalb einer gemeinsam gebildeten Kopulationsgallerte

werden Gameten ausgetauscht (auch Autogamie, zwei Gameten aus derselben Zelle möglich).

 

-die Teilungsfrequenz liegt unter 24 Stunden. Bei idealen Bedingungen bedeutet das für eine Zelle

Tausend Nachkommen nach 10 Tagen (20 d = 106, 1 m = 109).

 

-unter ungünstigen Lebensbedingungen bilden viele Arten Dauerstadien (Zysten, Ruhestadien) mit

verstärkter Wand aus.

 

 

Navicula praetenita Schiffchen-Kieselalge

 

 

2.8. Ordnungen der Kieselalgen

 

Man gliedert die Kieselalgen in zwei Ordnungen ein, die rundlichen Centrales (Radiärsymmetrie) und

die Pennales mit länglichen Schalen (vgl. Tabelle 2)

 

Tab. 2: Unterordnungen der Pennales

 

Pennales (Unterordnungen)

Centrales

Biraphidinae (Raphe auf beiden Seiten)

Monoraphidinae (Raphe auf einer Valve)

Raphidioidinae (Raphe rudimentär, z.B.nur an Apix)

Araphidinae (Raphe fehlt)

wurden hier nicht weiter unterschieden

 

 

Amphipleura pellucida Glas-Kieselalge

 

 

Das Auflösungsvermögen ist der kleinste Abstand (d) zweier Objektpunkte, die getrennt voneinander

abgebildet werden. Diatomeen wurden schon in der Frühzeit der Mikroskopie wegen ihren Feinstrukturen

als Testmodell für das Auflösungsvermögen eines Mikroskops verwendet.

Je kürzer die Wellenlänge des Lichts (vgl. Lasermikroskopie), desto eher trennen sich zwei benachbarte

Bildpunkte. Mit einer Größe von 2,5 Mikrometern sind Diatomeen ohne Hilfsmittel nicht zu erkennen. Um

Objekte, die unterhalb des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges liegen wahrzunehmen,

benötigt man ein Vergrößerungsglas (Lupe) oder hintereinander geschaltete Linsensysteme, um noch

stärker zu vergrößern (Mikroskop). Dabei muss die optische Achse der Linsen exakt eingehalten werden.

 

3.2.Vergleich von Licht- und Rasterelektronenmikroskop

 

Tabelle 3: Vergleich des Lichtmikroskops mit dem Rasterelektronenmikroskop

 

Lichtmikroskop

Rasterelektronenmikroskop

Durchstrahlung  durchsichtiger Schichten mit Auflicht möglich

nur Oberflächenbetrachtung (Topografie/Material) möglich

geringe Tiefenschärfe

hohe Tiefenschärfe

Gesamtbetrachtung

punktweise Abrasterung

Schrägsicht praktisch unmöglich

Schrägsicht problemlos möglich

Untersuchung in Laborluft oder Immersionsöl

Untersuchung nur im Vakuum möglich (keine lebenden Exemplare)

Wellenlänge l: 397blau-687rotnm

l= h·(m·v)-1= 1,22·UB^-1/2 [nm]

z.B.: für 25 kV als UB => 0,077å

Auflösung 0,35µm, mit Öl 0,2µm

theoretisch unbegrenzt (s.o.) praktisch max. 10å

Vorteile: einfache Handhabung, Auflichtbetrachtung

Vorteile: hohe Auflösung und Tiefenschärfe, Schräg-sichtmöglichkeit

Nachteile: geringe Auflösung und Tiefenschärfe, keine Schrägsicht

Nachteile: aufwendige Präparationsmethoden, nur Oberflächenbetrachtung, Vakuum

 

Um die Auflösung bei sichtbarem Licht zu erhöhen, kann man entweder den Brechungsindex zwischen

Deckglas und Objektiv erhöhen, indem man die Luft durch Immersionsöl (Brechungsindex n =1 ,25)

ersetzt oder eine kürzere Wellenlänge wählt. Im sichtbaren Licht (l = 400 - 700 nm) sind die Grenzen

der Auflösung des Mikroskops bei 0,35 µm erreicht. Strukturen werden sichtbar, wenn das Licht stark

und weniger stark in der Amplitude abgeschwächt wird und dadurch Kontraste entstehen

(Amplitudenpräparat). Da die Kieselschalen mehr oder weniger durchsichtig sind, kann man sie im

Hellfeld nicht erkennen. Kontraststeigernde Farbstoffe verbessern nicht die Helligkeitsunterschiede.

Das Licht wird je nach der Konsistenz der Diatomeenschale in seiner Phasenlage verändert, passiert

also mit veränderter Geschwindigkeit das Objekt. Seit der Erfindung des Phasenkontrastmikroskops

durch F. Zernike (1935), ist es möglich unter dem Mikroskop kontrastarme Strukturen sichtbar zu machen.

Man benötigt einen Spezialkondensor mit einer Ringblende und einen "Phasenring", der zwischen

Objektiv und Okular angebracht ist. Zweck dieser Zusatzapperatur ist es, die Lichtwellen des Präparats

um den gleichen Betrag (lamda / 4) in der Phase zu verschieben. Insgesamt beträgt dann die

Verschiebung lamda/2. Durch die Interferenz zwischen gebeugtem und nicht gebeugtem Lichtstrahl,

fällt Wellenberg auf Wellental und es kommt zur Auslöschung. Lichtstrahlen werden abgeschwächt und

somit kontrastierter. Der Hintergrund ist ähnlich wie bei einem fotografischen Negativ dunkel. Bei

größerer Dicke des Präparats erscheinen helle Höfe ("Halo-Effekt") um die Strukturen herum. Bevor

man die Phasenkontrastscheibe in dem Strahlengang bringt, muß man das Mikroskop im Hellfeld

„Köhlern“, also auf das Präparat scharf stellen:

 

Methodik des „Köhlerns“ eines Lichtmikroskops:

 

1. Leuchtfeldblende zu

2. Kondensor zu

3. Leuchtfeldblendenrand scharf stellen

4. Kondensorschraube benutzen bis farbige Halos am Rand entfernt sind

5. Kondensor zentrieren

6. Leuchtfeldblende auf

7. Kondensor auf

8. Phasenkontrastscheibe einschieben

 

Im Rahmen dieses Praktikums wurde zudem eine Videokamera (CCD Sony) mit Restlichtverstärker

und Monitor verwendet, wodurch die Zusammenarbeit zwischen Praktikanten und Praktikumsleiter

erleichtert wurde.

 

 

Cymbella cf. affinis Kahn-Kieselalge

 

 

 

Seit 1924 M. de Broglie den Wellencharakter von Elektronenstrahlen erkannte, konnte an der Entwicklung

leistungsfähigerer Mikroskope gearbeitet werden. Dies führte zur Technologie des Elektronen- und

Rasterelektronenmikroskops (REM) (engl.: SEM = scanning electron microscope). Hierbei tastet ein sehr

feiner Elektronenstrahl (Elektronensonde) das Objekt ab.

Das Gerät ist mit einer Bildröhre gekoppelt, auf der ein plastisches Bild der Oberfläche wiedergegeben

wird. Mit Spannungen von 1000 kV wird eine Vergrößerung von 20 000fach und 50 000fach erreicht.

Das Verfahren stellt nur leitende Oberflächen dar, deshalb müssen biologische Objekte durch eine

aufgedampfte Metallschicht (z.B. Gold) leitend gemacht werden. Der monochromatische (primäre)

Elektronenstrahl tritt aus einer Glühwendel, dem Filament aus, das als Elektronenquelle dient. Dann

fokussiert eine Anode je nach Beschleunigungsspannung die austretenden Elektronen. Dieser

Crossoverpunkt ist die virtuelle Quelle der Elektronen, weil hier der engste Strahlenquerschnitt liegt.

Durch mehrere elektrostatische oder magnetische Linsen wird der erzeugte Elektronenstrahl mehrmals

fokussiert. Über eine Ablenkeinheit wird ein elektrisches Feld angelegt, welches die Zeilenabtastung

ermöglicht. Dabei werden die Elektronen parabelförmig abgelenkt und ihre Geschwindigkeit erhöht. Der

dann nochmals gebündelte Elektronenstrahl trifft auf die Oberfläche der Probe. Abhängig von der

Beschleunigungsspannung und der Ordnungszahl (Au 79, Si 14) werden in bestimmten Probentiefen

unterschiedliche Strahlungen freigesetzt. Je höher die Spannung und je niedriger die Ordnungszahl,

desto größer ist die Eindringtiefe. Augerelektronen (2 nm), Rückstreuelektonen (100 nm),

Röntgenstrahlung (500 nm) und Sekundärelektronen (bis 50 nm Probentiefe). Die langsamen

Sekundärelektronen (E < 50 eV) eignen sich am besten, weil sie am häufigsten vorkommen und

beim Abtasten zur besten Auflösung beitragen. Die Intensität des Sekundärstrahls ist vom

Neigungswinkel der Objektoberfläche abhängig. Ein schräg über der Probe angebrachter Detektor

fängt das Signal auf. Die Signale werden verstärkt und als Impulse im Oszilloskop wiedergegeben,

oder sie belichten einen fotografischen Film. Dadurch ist die zeilenweise Abbildung der Topographie

des Präparats in den verschiedenen Graustufen auf dem Bildschirm (Videomonitor) oder als Lichtbild

möglich. Das Signal-Rauschverhältnis sowie die Auflösung und Tiefenschärfe werden durch Faktoren

wie die Beschleunigungsspannung, dem Grad der Öffnung der Aperturblende und der Kondensorlinse

bestimmt. Weiterhin spielt der Arbeitsabstand zur Probe, deren Kippung und die Stellung des Filaments

eine Rolle. Diese Faktoren werden in Tabelle 4  zusammengefasst:

 

Tabelle 4: über Faktoren die das Signal-Rauschverhältnis sowie die Auflösung und Tiefenschärfe am

Rasterelektronenmikroskop beeinflussen

 

Faktor

Signal-Rauschverhältnis

Auflösung und Tiefenschärfe

Beschleunigungsspannung

größer

besser

besser

kleiner

schlechter

schlechter

Aperturblende

zu

schlechter

besser

auf

besser

schlechter

Kondensorlinse

nach rechts (=nach oben)

schlechter

besser

nach links (= nach unten)

besser

schlechter

Arbeitsabstand

kleiner

ohne Einfluss

besser

größer

ohne Einfluss

schlechter

Kippung

stärker

besser bei flachen Proben

ohne Einfluss

 

ohne Einfluss bei „Gebirgen“

ohne Einfluss

schwächer

schlechter bei flachen Proben

ohne Einfluss

 

ohne Einfluss bei „Gebirgen“

ohne Einfluss

Filament

nach rechts

besser

geringfügig  schlechter

nach links

schlechter

geringfügig besser

 

Zudem hat die Scangeschwindigkeit und die Probenart (-e -Ausbeute) also auch die Präparation

Einfluss auf das Ergebnis. Als störend wirken sich mechanische Schwingungen (z.B.: eines in der

Nähe vorbeifahrenden LKWs) aus. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass die leitende Schicht

(Au - Bedampfung) guten Kontakt zum Probenteller hat, damit es zu keiner lokalen Aufladung kommt.

Es sollten alle Kontaminationen des Vakuums vermieden werden (Handschuhe tragen), weil sich

ansonsten Schmutzschichten auf dem Präparat bilden.

Zur Bedienung des REM gehört auch das Hochvakuum, das in der Probenkammer hergestellt wird.

Die Apparatur und die Kühlleitungen müssen über den gesamten Untersuchungszeitraum auch über

Nacht laufen. Drehkolben und Sperrschieberpumpen verdrängen die Luft im Feinvakuum (0,1 Pa) und

verdichtende Pumpen wie (Öldiffusionspumpen, Turbomolekularpumpen) reißen Gasteilchen mit und

erzeugen in der Probenkammer ein Hochvakuum (10-5 Pa). Die Vakuumtechnik ist technisch aufwendig

und teuer.

Gomphonema lateripunctatum Stielchen-Kieselalge, Gürtelbandansicht

 

4. Herstellen von Diatomeenpräparaten für die Licht- und die Rasterelektronenmikroskopie Inhalt

 

4.1.Probeentnahme

 

Die Probeentnahme fand am 19.8.1996 an der Probestelle 6 am Spitzingsee statt und wurde von

Jan Seele im Rahmen seiner Doktorarbeit genommen. Mit einem speziellen Bodengrabgerät

(ground digger) wurde eine Probe vom Seegrund geholt.

 

4.2.Aufbereitung der Probe

 

Tabelle 5: Geräte und Chemikalien der Probenpräparation

 

Geräte

Chemikalien

Heizplatte bis mindestens 140°C

H2O bidest

Sputter Coater (Bedampfungsgerät)

30 %iges H2O2

Tischzentrifuge (2000 U/min)

HCl konz.

4 Zentrifugengläser (V = 50 ml)

K2Cr2O7

Bechergläser (V = 250 ml)

Naphrax-Toluol-Gemisch

kleine Schraubdeckelgläser

 

kleiner Spatel

 

Flachpinzette

 

Objektträger

 

Deckgläschen

 

Aluminiumteller

 

Kohlenstoffplättchen doppelseitig klebend

 

Eppendorfpipetten und -caps

 

Pasteurpipette mit Saugball

 

 

 

Die Probe wurde, nachdem sie ins Labor überführt wurde, wie folgt mit dem Material aus Tabelle 5

aufbereitet:

 

4.2.1. Probe (kann auch mit Formol fixiert sein) wird mit Wasserstoffperoxid V(H2O2) = 50 ml in hohen

Bechergläsern V = 250 ml angesetzt (Schutzbrille). Die Probe bleibt eine Nacht lang im Abzug stehen,

wobei sie dort auch länger bleiben kann.

 

4.2.2. Am nächsten Tag werden die Proben gekocht. Im Abzug wird auf der Heizplatte 30 min bei 80 °C,

dann 4 h bei 100 °C erhitzt. Es muss darauf geachtet werden, dass die verdunstende Flüssigkeit durch

H2O2 ersetzt wird. Während des Kochens Probe schwenken. Wenn Flüssigkeit vollständig verdampft ist,

dann Glas vor Zugabe von H2O2 abkühlen lassen.

 

4.2.3. Nach dem Kochen erscheinen Proben, die nicht aus dem Sediment genommen wurden, klar.

 

4.2.4. Zur vollständigen Oxidation wird eine Spatelspitze Kaliumdichromat in kleinen Portionen zugegeben.

Hierbei Schutzbrille, Latexhandschuhe und Kittel tragen, da es zu einer heftigen Reaktion kommen kann.

Das anfänglich tief violette K2Cr2O7 ändert seine Farbe in Gelborange.

 

4.2.5. Wenn die Farbreaktion erfolgt ist, dann Probe abkühlen lassen und mit wenigen Tropfen H2O

bidest befeuchten.

 

4.2.6. Zugabe von 10 Tropfen HCl, wobei ein Farbumschlag zu Blau erfolgen kann. Nochmals für wenige

Minuten bei 100°C kochen, und abkühlen lassen.

 

4.2.7. Proben werden in Zentrifugengläser gefüllt und bei 2000 Umdrehungen pro Minute 15 Minuten

lang zentrifugiert. Dann wird der Überstand vorsichtig abgegossen oder mit der Wasserstrahlpumpe

abgesaugt. Die Diatomeenschalen sind als Bodensatz zu erkennen und werden nach Zugabe von H2O

bidest nochmals wie oben zentrifugiert. Diesen Waschvorgang zweimal wiederholen. Die Probe nach

dem letzten Zentrifugieren und nach Abschütten des Überstands in ein kleines Schraubdeckelglas

überführen. In diesem Zustand ist die Probe im Kühlschrank für mehrere Monate lagerungsfähig.

 

4.3. Präparatherstellung für das Lichtmikroskop

 

4.3.1. Runde Deckgläschen (Ød = 1 cm) werden 5-10 min lang auf der Heizplatte ausgeglüht und dann

wieder abgekühlt.

 

4.3.2. Dann werden verschiedene Verdünnungen hergestellt. Dazu werden Eppendorfcaps mit

Eppendorfpipetten verwendet, um drei verschiedene Verdünnungen herzustellen. Schraubdeckelglas

gut schütteln.

   100 µl Stammlösung + 900 µl H2Obidest = 1:10 Verdünnung

    50 µl Stammlösung +   50 µl 1:10 Verdünnung = 1:20 Verdünnung

    25 µl Stammlösung +   50 µl 1:10 Verdünnung = 1:30 Verdünnung

 

Verdünnungen gut mischen und 50 µl auf die ausgeglühte Seite des angewärmten Deckglases

auftragen. Die Deckgläschen müssen möglichst eben und erschütterungsfrei gelagert werden.

Die Probenflüssigkeit trocknet bei Raumtemperatur ein. Zum Zählen und Bestimmen der

Diatomeenschalen braucht man eine optimale Verdünnung auf dem Deckgläschen.

 

4.3.3. Für die Einbettung der Probe in Harz werden beschriftete Objektträger bei 140 °C auf der

Heizplatte erhitzt.

 

4.3.4. Mit einer Pasteurpipette werden 2-3 Tropfen eines Naphrax-Toluol-Gemisches auf jeden

der 140 °C heißen Objektträger aufgetragen. Das Toluol verdampft und das Naphrax bleibt flüssig

zurück. Hierbei unter dem Abzug arbeiten, da Toluol giftig ist. Die Deckgläschen werden mit der

Probenseite nach unten in das Naphraxharz eingebettet. Innerhalb 5 Minuten das Toluol

verdampfen lassen.

 

4.3.5. Das Harz wird beim Erkalten zäh und härtet aus. Damit alle Diatomeenschalen in einer

Ebene liegen, mehrmals vor Abschalten der Heizplatte vorsichtig mit einer Pinzette auf die

Deckgläschen drücken. Man erhält dadurch eine dünne Schicht zwischen Deckgläschen und

Objektträger.

 

4.3.6. Die Objektträger bleiben zum langsamen Abkühlen auf der Heizplatte liegen.

 

 

Denticula tenuis Zähnchen-Kieselalge

 

 

4.4. Präparatherstellung für das Rasterelektronenmikroskop

 

4.4.1. Verdünnung

 

Die aufbereiteten Proben werden verdünnt. Aus einer 1:20 (1 Teil Probe, 4 Teile H2O bidest)

verdünnten Probeflüssigkeit werden zwei Verdünnungen (1:400, 1:800) hergestellt:

 

Tabelle 6: Verdünnung der REM-Proben

 

Probenummer:

82

110

REMProbenummer:

481

482

483

484

Verdünnung:

1:400

1:800

1:400

1:800

V (Stammlösung)

50µl

25µl

50µl

25µl

V (H2Obidest)

1000µl

1000µl

1000µl

1000µl

 

4.4.2. Vorbereiten der Probenteller

Ausgeglühte Deckgläschen werden mit beidseitig klebenden Kohlenstoffplättchen auf spezielle

Probenteller (aus Aluminium) geklebt. Latexhandschuhe tragen und mit Pinzette arbeiten, um eine

Kontamination zu vermeiden. Mit einer Pasteurpipette werden die verdünnten Lösungen auf die

Deckgläschen aufgetropft. Dabei muß der Tropfen möglichst erschütterungsfrei und eben eintrocknen.

Das Verdunsten des Wassers dauert einige Stunden. Dann klebt man mit Hilfe einer Pinzette die

Deckgläschen mit der Probenseite nach oben auf die beschrifteten Aluminiumteller. Will man feste

Proben untersuchen, so werden diese direkt auf das  Kohlenstoffplättchen geklebt.

 

4.4.3. Bedampfung mit Gold

Die Proben werden in den Sputter Coater (Bedampfungsgerät) gestellt. Dieser besteht aus einem

Zylinder, in dem in einer Edelgasatmosphäre (Ar) ein Plasmastrahl erzeugt wird, der aus einer Goldfolie

einzelne Goldatome verdampft (Vdp.: 3130 K, EVerdampfung = 324,43 kJ/mol).  

Dazu bestückt man den Zylinder mit den Aluprobetellern.

Danach muss die Laborluft durch ein Vakuum (über 10 Pa) entfernt werden.

Hierfür müssen die Leak und Vent- Schrauben geschlossen sein.

Dann lässt man Argon einströmen, bis 10 Pa erreicht sind.

Die Leakschraube wird langsam bis ca. 20-25 mA aufgedreht.

Der Timer wird auf 105 s gestellt und die Starttaste gedrückt.

Mit der Ventschraube oder der Deckelschraube Zylinder nach 2min belüften und bedampfte Proben

entnehmen. Beim Bedampfen der Proben sollte beachtet werden, dass zu lange Bedampfungszeiten

eine zu dicke Goldatomschicht erzeugen, die die Feinstruktur der Diatomeen verdecken kann. Die

kunstvoll, vollendet ausgearbeitete Oberflächenstruktur ist somit im REM nicht sichtbar.

 

 

Brachysira neoexilis Schiffchen-Kieselalge

 

 

Voraussetzung für ein gutes Präparat ist eine ausreichende Individuenzahl, wobei die Diatomeenschalen

nicht übereinander liegen sollten. Der Objektträger wird systematisch von links oben nach rechts unten

betrachtet. Mit Hilfe eines Zählgitters, das gleichzeitig als Maßstab (Kantenlänge l = 10 µm) dient, werden

die Diatomeenschalen bestimmt und in einer Artenliste gezählt. Es wurden mehr als 400 Individuen

gezählt, um eine repräsentative Übersicht über die Artenverteilung zu haben.

Diatomeen sind gute Bioindikatoren, weil sie kosmopolitisch in Gewässern aller Art vorkommen, und

eine schnelle Generationsfolge haben. Die relative Arthäufigkeit und das Artenspektrum ist direkt mit den

Veränderungen eines Milieus korreliert. Durch die Erforschung der ökologischen Ansprüche konnte ein

quali- und quantitatives Indikatorsystem für die Gewässerbelastung entwickelt werden. Aus der relativen

Häufigkeit lässt sich so die Abundanz der Arten bestimmen. Mit der Gewichtung (nach Verbreitung der

Arten in unterschiedlichen Trophiegraden) und  der trophischen Lokation (berechnet aus signifikanten

Korrelationen von Artenvorkommen und Gesamtphosphat) lässt sich der Trophieindex also die Trophie

des Spitzingsees berechnen. Will man zusätzlich noch etwas über die Saprobie (organische Belastung)

wissen, dann eignen sich Kieselalgen mit ihren Leitorganismen als Anzeiger der „mittleren“

Gewässerstufe (2, 2 - 3,3).

 

"Perhaps A. minutissima is the species which has the  widest `window`of tolerance, e.g. of pH.... It is over a wide area of the earth`s surface and it also has highly intensity prevalent i.e. high cell density where it occurs)." (ROUND1990)   

 

Tabelle 7: Daten des Objektträgers (OT82)

 

Objektträgernummer:

82

Leitfähigkeit:

300 µS/cm => "moderat", entspricht mittlerem Elektrolytgehalt

Verdünnung :

1:20

Probestelle:

6

Datum der Probeentnahme:

19.08.1996

Auszähldatum:

21.02.1997

gezählt von:

Joern Kimpel im Rahmen des GPII der Limnologie in Iffeldorf/Oberbayern

Mikroskop:

Laborlux, K, Fa.Leitz

Zelldichte:

9,067 Individuen/mm²

Artenzahl/Zahl der Taxa:

15

Summe der bestimmten Schalenhälften:

418

 

 

Gomphonema acuminatum Spitze Stielchen-Kieselalge

                   

 

5.2 Auswertung      

                                                                                                                                                                                                                                  

5.2.1. Bestimmung der Gewässertrophie anhand des Diatomeenindex

 

Tabelle 8: gefundene Arten / Taxa und ihrer statistischer Zuordnung

                                                                                                                                                                                                                                       

Artname / Taxa

Anzahl

Abundanz (%)

Frequenz

relative Häufigkeit

Toleranzgruppen

trophische Lokation

Gewichtung

saprobielle Valenz

Achnanthes exigua

1

0,239

1

1

am-eut

4

2

ams

Achnanthes lanceolata

1

0,239

1

1

tol

-

-

ams

Achnanthes minutissima var. minutissima

369

88,277

5

5

tol

-

-

bams

Achnanthes minutissima var. gracillima

7

1,675

2

3

ot

1

3

os

Achnanthes trinodis

1

0,239

1

1

ot

1,3

3

os

Cocconeis placentula

3

0,719

1

2

tol

-

-

bms

Cymbella cf. hybrida

1

0,239

1

1

ot

1,1

3

os

Cymbella silesiaca

3

0,719

1

2

tol

-

-

ams

Denticula tenuis

20

4,785

2

3

ol-amt

3

1

ams

Eunotia arcus

1

0,239

1

1

ol-bmt

1,5

2

os

Fragilaria pinnata

2

0,478

1

2

tol

-

-

bms

Fragilaria tenera

2

0,478

1

2

ol-amt

2,5

1

os

Gomphonema lateripunctatum

6

1,435

2

3

ol-bmt

1,8

2

os

Meridion circulare

1

0,239

1

1

am-eut

4

2

bms

 

 

Summe

= 100

 

 

 

 

 

 

Centrales

24

Centrales spielen bei dieser Auswertung keine Rolle mehr. Das gilt ebenfalls für die gezählten 46 Gürtelbänder (36 x Achnanthes, 4 x Fragilaria und 6 x Gomphonema).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5.2.1.1. Trophie-Index (nach PANTLE & BUCK 1955)

     

Tabelle 9: Trophie-Index

                                                                                                                                                          

1,00-1,99

oligotroph

2,00-2,49

oligo- mesotroph

2,50-3,49

mesotroph

3,50-3,99

meso- eutroph

4,00-5,00

eutroph

 

 5.2.1.2. Formel zur Berechnung des Trophieindex (TI)

 

Formel 1: Trophieindex (TI)

                                                                                                                                                                                                                                                             

       ∑(Abundanz) · (Gewichtung) · (trophische Lokation)

TI=  ------------------------------------------------------------------------

                              (Abundanz) · (Gewichtung)

 

 

                                                                                                                                                                                                                                       

5.2.1.3. Tabelle des Trophieindex (TI)

 

Der Trophieindex wurde aus signifikanten Korrelationen von Artenvorkommen und Gesamtphosphat

in bayerischen Alpenrandseen berechnet. Je größer der Wert der trophischen Lokation ist, desto

trophietoleranter ist eine Art.         

 

Tabelle 10: Trophieindex (TI)

 

Artname / Taxa

Abundanz

Gewichtung

trophische Lokation             

Zähler

Nenner

Toleranzgruppen

saprobielle Valenz

Wassergüteklasse

Achnanthes exigua

0,00239

2

4

0,0191

0,0048

am-eut

ams

III-IV

Achnanthes lanceolata

0,00239

-

-

0,0000

0,0000

tol

ams

III-IV

Achnanthes minutissima var. minutissima

0,88277

-

-

0,0000

0,0000

tol

bams

III

Achnanthes minutissima var. gracillima

0,01675

3

1

0,0503

0,0503

ot

os

I-II

Achnanthes trinodis

0,00239

3

1,3

0,0093

0,0072

ot

os

I-II

Cocconeis placentula

0,00719

 

 

0,0000

0,0000

tol

bms

II-III

Cymbella cf. hybrida

0,00239

3

1,1

0,0079

0,0072

ot

os

I-II

Cymbella silesiaca

0,00719

-

-

0,0000

0,0000

tol

ams

III-IV

Denticula tenuis

0,04785

1

3

0,1436

0,0479

ol-amt

ams

III-IV

Eunotia arcus

0,00239

2

1,5

0,0072

0,0048

ol-bmt

os

I-II

Fragilaria pinnata

0,00478

-

-

0,0000

0,0000

tol

bms

II-III

Fragilaria tenera

0,00478

1

2,5

0,0120

0,0048

ol-amt

os

I-II

Gomphonema lateripunctatum

0,00435

2

1,8

0,0157

0,0087

ol-bmt

os

I-II

Meridion circulare

0,00239

2

4

0,0191

0,0048

am-eut

bms

II-III

Summe

= 1

 

 

Summe

=0,284028

Summe

=0,14026

 

 

TI= 0,284028: 0,14026 = 2,03

                                                                    

 

5.2.1.4. Teilergebnis

 

Der Trophieindex deckt sich weitgehend mit den Aussagen der Toleranzgruppe und der

saprobiellen Valenz, weshalb ersichtlich ist, dass sich der Spitzingsee zu dieser Zeit im

oligotrophen bis b-mesotrophen Bereich (TI = 2,065 +/- 0,33) der Nährstoffversorgung

(Gesamtphosphat) befindet. Gemittelt hat das Wasser dieser Probe die Wassergüteklasse II-III

(2,357 +/- 0,143).                   

                                                                                                                                                                                          

5.2.2. Diversitäts-Index (nach SHANNON & WEAVER)                                                                                                         

 

Beispiel: Nur 1 Art mit 100 % => H = 0 Diversität als Maß der Vielfalt einer Biozönose.                                                                   

                                                                                                              

5.2.2.1. Formel zur Berechnung des Diversitätsindex (H)

 

Formel 2: Diversitätsindex (H)

                                                                                                                                                                                                                                   

                                      H= - (Abundanz) · ln (Abundanz); wobei für H gilt: 0 =< H < 6                                                                                               

                                                                                                                                                                                                                                   

5.2.2.2. Tabelle des Diversitätsindex (H)

         

Tabelle 11: Diversitätsindex (H)

                                                                                                                                               

Artname / Taxa

(Abundanz)

ln(Abundanz)

Produkt·(-1)

Diversitäts-Index: H

Achnanthes exigua

0,00239

-6,036461913

0,0144271

0,556283373

Achnanthes lanceolata

0,00239

-6,036461913

0,0144271

 

Achnanthes minutissima minut.

0,88277

-0,124690588

0,1100731

 

Achnanthes min.var.gracillima

0,01675

-4,089357021

0,0684967

 

Achnanthes trinodis

0,00239

-6,036461913

0,0144271

 

Cocconeis placentula

0,00719

-4,935064107

0,0354831

 

Cymbella cf. hybrida

0,00239

-6,036461913

0,0144271

 

Cymbella silesiaca

0,00719

-4,935064107

0,0354831

 

Denticula tenuis

0,04785

-3,039684161

0,1454489

 

Eunotia arcus

0,00239

-6,036461913

0,0144271

 

Fragilaria pinnata

0,00478

-5,343314732

0,025541

 

Fragilaria tenera

0,00478

-5,343314732

0,025541

 

Gomphonema lateripunctatum

0,00435

-5,437579434

0,0236535

 

Meridion circulare

0,00239

-6,036461913

0,0144271

 

 

=1

 

=0,556283373

 

                                                                                                                                                                                          

5.2.2.3. Teilergebnis:

                                   

Die hohe Abundanz von Achnanthes minutissima var. minutissima senkt  die Diversität

und damit die Vielfalt der Taxagesellschaft gegen Null (H = 0,556).                                                                                                                                                  

                           

5.2.3. Evenness (nach LOZAN 1992)

                                                                                                                                                                                          

Beschreibt das Verhältnis der Arten zueinander, wodurch die Dominanzstruktur ersichtlich wird.                                                                                                                                                                                     

5.2.3.1. Formel zur Berechnung der Evenness (E)

 

Formel 3: Evenness (E)

 

E=           H             =   0,205418412                                                                                                                                

       ln (Artenzahl)  

                                                                                                                                                 

5.2.3.2. Teilergebnis:     

 

Die Evenness beträgt 20,542%, jedes fünfte gefundene Taxa ist hinsichtlich seiner Abundanz verschieden.

 

 

Tabellaria flocculosa Moor-Kieselalge, Gürtelbandansicht

 

 

5.3. Ergebnis

 

Es konnte eine Beziehung zwischen der Toleranzgruppe und dem saprobiellen Index gefunden werden.

Die Diversität ist gering, die Dominanz von Achnanthes minutissima var. minutissima sehr hoch.

Der Spitzingsee weist an diesem Tag bei den Kieselalgen eine Evenness von E = 20,54 % und eine

Diversität von H = 0,55 auf.                                                                                                                                                                                    

Sein Seewasser liegt im oligotrophen bis b-mesotrophen Bereich (TI = 2,065+/-0,33).                                                     

Dennoch handelt es sich um ein Einzelergebnis und muß durch weitere Erhebungen, beispielsweise

faunistischer Art, gefestigt werden.

 

5.4. Diskussion

 

Betrachtet man die Abundanz der Arten, dann fällt Achnanthes minutissima var. minutissima (mit 88 %)

auf. Um dennoch eine Artverteilung ersichtlich zu machen, ist diese Art in Diagramm 1 nicht vollständig

darstellbar (369 Schalenhälften). Reduziert man jedoch die Skala des Diagramms auf 25, dann sind die

anderen Taxa zu sehen. Da Achnanthes minutissima var. minutissima eine trophietolerant ist, spielt

dieses Taxa in der weiteren Diskussion keine Rolle mehr. Beim Vergleich fällt auf, dass die indizierten

Arten tatsächlich in der Toleranzgruppe der trophischen Lokation liegen, der Trophieindex demnach

prinzipiell als Verfahren zur Bestimmung der Trophie eines Gewässers sinnvoll ist.

Was die Saprobie angeht, dann stimmt die saprobielle Valenz mit der ansteigenden trophischen Lokation

überein. Diese Ergebnisse können selbstverständlich mit wasserchemischen Analysen bestätigt werden.

Aus den Diagrammen wird beim Vergleich der Arten, die nicht zu den Toleranten zählen, sondern eher

differenzierend sind, die Möglichkeit eines Indexes aus Diatomeen zur Bestimmung der Gewässergüte

bestätigt.

 

Diagramm 1: Auffällig ist die Dominanz  von Achnanthes minutissima var. minutissima

 

Um die weniger dominanten Arten dennoch auszuwerten, werden trophietolerante Arten und Arten ohne

Trophieindex weggelassen. Es bleiben noch neun Arten für eine Bewertung übrig.

 

Diagramm 2: Am häufigsten kommen nach Ausschluß von Achnanthes minutissima var.

minutissima, Denticula tenuis, Achnanthes minutissima var. gracillima und Gomphonema

lateripunktatum vor. Gleiches gilt für die gefunde Frequenz

 

Tabellarischer Vergleich zwischen gefundenen Trophie- und Saprobiedaten:  

 

Tabelle 12: Zusammenfassung über Trophie und Saprobie der neun Arten.

                                                                                                                                                                                                                   

Artname/Taxa

Toleranzgruppe der Trophie

trophische Lokation

saprobielle Valenz

Wassergüteklasse

Achnanthes min.var.gracillima

ot

1

os

I-II

Cymbella cf. hybrida

ot

1,1

os

I-II

Achnanthes trinodis

ot

1,3

os

I-II

Eunotia arcus

ol-bmt

1,5

os

I-II

Gomphonema lateripunctatum

ol-bmt

1,8

os

I-II

Fragilaria tenera

ol-amt

2,5

os

I-II

Denticula tenuis

ol-amt

3

ams

III-IV

Achnanthes exigua

am-eut

4

ams

III-IV

Meridion circulare

am-eut

4

bms

II-III